Das Verdauungssystem unserer Hunde
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Der Verdauungstrakt unserer Hunde ist ein hochkomplexer, fein abgestimmter Prozess, der unseren Hunden nicht nur Energie liefert, sondern auch entscheidend zur Gesundheit beiträgt. Wer seinen Hund artgerecht ernähren und achtsam füttern möchte, sollte wissen, was im Körper des Vierbeiners passiert – vom ersten Bissen bis zur Ausscheidung.
1. Die Maulhöhle – der Beginn der Verdauung
Anders als beim Menschen beginnt bei Hunden die Verdauung nicht nennenswert im Maul. Sie haben zwar Speichel, aber dieser enthält keine nennenswerten Verdauungsenzyme wie z. B. Amylase. Der Speichel dient vielmehr dazu, die Nahrung gleitfähig zu machen.
🔍 Besonderheit: Hunde kauen kaum. Ihre Zähne sind darauf ausgelegt, Beute zu reißen, zu zerschneiden und schnell zu schlucken. Gerade bei rohen Fleischstücken zeigt sich dieses natürliche Verhalten.
2. Die Speiseröhre – der Futter-Express
Die Nahrung wird nach dem Schlingen durch wellenartige Bewegungen (Peristaltik) durch die Speiseröhre in den Magen transportiert. Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden. Es gibt keinen bewussten Einfluss auf die Richtung – Rückwärtsbewegung (Erbrechen) ist nur ein Schutzmechanismus.
3. Der Magen – Säurebad und Enzymkraft
Im Magen findet die erste echte Verdauung statt. Die Magensäure des Hundes ist extrem sauer (pH-Wert ca. 1–2), um Bakterien und Keime aus rohem Fleisch abzutöten und Knochen aufzulösen.
Hier wirken Enzyme wie Pepsin, um Eiweiße (Proteine) in kleinere Bausteine zu zerlegen. Die Nahrung verweilt je nach Art (Fleisch, Knochen, Gemüse) unterschiedlich lange im Magen – oft mehrere Stunden.
🔍 BARF-Tipp: Rohe Knochen werden in der Regel gut verdaut – vorausgesetzt, der Magen ist ausreichend sauer. Deshalb sollten Knochen am besten getrennt von getreide- oder gemüsereichen Mahlzeiten gegeben werden, um die Säurekonzentration nicht zu verwässern.
4. Der Dünndarm – Zentrum der Nährstoffaufnahme
Hier findet der Großteil der Verdauung und Nährstoffaufnahme statt. Der Dünndarm besteht aus drei Abschnitten:
- Duodenum (Zwölffingerdarm)
- Jejunum (Leerdarm)
- Ileum (Krummdarm)
Mit Hilfe von Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse (z. B. Lipase, Amylase, Protease) und der Galle (zur Fettverdauung) wird die Nahrung in ihre Einzelbestandteile aufgespalten:
- Kohlenhydrate → Zucker
- Eiweiße → Aminosäuren
- Fette → Fettsäuren und Glycerin
Die Schleimhaut des Dünndarms ist stark gefaltet und enthält Millionen von Zotten – dadurch ist die Oberfläche riesig und die Nährstoffaufnahme besonders effizient.
🔍 Wichtig: Ist der Dünndarm geschädigt (z. B. durch chronische Entzündungen), leidet die Nährstoffaufnahme – es kommt zu Mangelerscheinungen trotz „guter“ Fütterung.
5. Der Dickdarm – Rückgewinnung und Fermentation
Im Dickdarm (bestehend aus Blinddarm, Grimmdarm und Enddarm) wird kaum noch verdaut. Hier findet vor allem Wasser- und Elektrolytaufnahme statt. Außerdem leben hier unzählige Darmbakterien (Darmflora/Mikrobiom), die unlösliche Faserstoffe (z. B. Gemüsebestandteile) fermentieren und daraus kurzkettige Fettsäuren produzieren – ein wichtiger Energielieferant für die Darmschleimhaut selbst.
🔍 Achtsamkeitstipp: Eine ausgewogene Darmflora ist entscheidend für Immunsystem, Hautgesundheit und Verhalten. Frische, fermentierte oder ballaststoffreiche Lebensmittel wie püriertes Gemüse, Kräuter oder Flohsamenschalen können die Darmflora gezielt unterstützen.
6. Der After – Ausscheidung der Reste
Die unverdaulichen Reste, abgeschilferte Zellen, Gärungsprodukte und Wasserreste werden über den Enddarm als Kot ausgeschieden. Ein gesunder Kot ist formbar, gut absetzbar und riecht nicht übermäßig streng.